Pille danach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie [Stand 12. Aug. 2004]

Die Pille danach ist ein hormonelles Mittel zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften, wenn bei nicht ausreichend geschütztem Geschlechtsverkehr Sperma in die Vagina der Frau eingedrungen ist oder sein könnte (z.B. durch ein gerissenes Kondom). Die Pille danach muss je nach Präparat innerhalb 48 oder 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirkung ist umso sicherer, je früher das Präparat eingenommen wird.

Inhaltsverzeichnis

Wirkmechanismus

Die sog. Pille danach wurde lange Zeit als Nidationshemmer bezeichnet. Neue Studien zeigen allerdings, dass die Pille danach lediglich den Eisprung verhindert und keine Wirkung auf die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle hat. (Nachzulesen u.a.: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=pubmed&dopt=Abstract&list_uids=14698077) Die Pille danach ist nur als Notlösung zu verwenden, sie kann eine vernünftige Empfängnisverhütung (z.B. durch die Antibabypille, Spirale, das Kondom oder das Diaphragma) nicht ersetzen. Auch ist sie nicht so sicher, wie die verlässlichen Verhütungsmittel.

Juristische Sicht

Die Pille danach ist in Deutschland verschreibungspflichtig. Zur Zeit (Ende 2003) wird diskutiert, ob die Pille danach auf Grund guter Erfahrungen in anderen europäischen Ländern aus der Verschreibungspflicht entlassen werden soll. Eine endgültige Entscheidung ist aber nicht vor Mitte 2004 zu erwarten.

Die Einnahme der Pille danach gilt entsprechend dem § 218 des Strafgesetzbuches (StGB) nicht als Abtreibung, da sie nicht zum Abbruch einer bereits bestehenden Schwangerschaft führt. Mit der Pille danach ist also keine Abtreibung möglich. Dennoch wird sie manchmal mit der so genannten Abtreibungspille verwechselt, die eine bereits existierende Schwangerschaft beendet.

Ethische Sicht

Aus ethischen Gründen wird die Pille danach unter anderem von den christlichen Kirchen, im Islam und im Judentum abgelehnt, da für sie das menschliche Leben mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle beginnt und nicht erst mit der Einnistung, und unter dieser Perspektive der Einsatz der Pille danach die Tötung menschlichen Lebens darstellt. Wenn sich sicher herausstellt, dass die Pille danach tatsächlich nur den Eisprung und nicht die Einnistung verhindert, wird dieses Argument allerdings hinfällig. Es bleibt noch das Naturrechts-Argument der Katholischen Kirche, das jedoch von den meisten protestantischen und orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wird, ebensowenig im Islam und Judentum.

Präparate

Zur Zeit werden zwei unterschiedliche Präparate angeboten: Das reine Gestagen Levonorgestrel (Handelsnamen: Duofem, NorLeva, Vika bzw. Vikela) und eine Östrogen-Gestagen-Kombination (Handelsname: Tetragynon)

Siehe auch: Juzpe-Regime, Mifepriston.

Notfallverhütung mit der gewöhnlichen Antibabypille

In vielen Antibabypillen sind dieselben Hormone wie in der Pille danach enthalten. Aus diesem Grund ist es möglich mit diesen Arzneimitteln die gleiche Wirkung, wie mit der Pille danach zu erzielen. Allerdings besitzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine der Antibabypillen eine Zulassung zur Notfallverhütung und die Anwendung als Notfallverhütung wird deshalb auch nicht in der Packungsbeilage dokumentiert, was in einigen Staaten allerdings mittlerweile Vorschrift ist.

Aus diesen Gründen ist es sehr wichtig im Vorhinein mit der Frauenärztin zu klären, ob das Präperat für die Notfallverhütung geeignet ist, welche Risiken bestehen und in welchem Zeitraum und in welcher Dosis die Antibabypillen eingenommen werden müssen.

Die Menge an Antibabypillen, die für eine Notfallverhütung notwendig sind, variiert je nach Produkt zwischen 8 und 50 Pillen und es kann, wie bei der Pille danach, zu Übelkeit und Erbrechen kommen.

Weblinks

Viele Informationen und Diskussionen zur Pille danach: [1] (http://www.pille-danach.at/)



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