Familienplanung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie [Stand 12. Aug. 2004]

Familienplanung bezeichnet alle Maßnahmen von SexualpartnerInnen, die Zahl und den Zeitpunkt der Geburt der Kinder zu planen. Für diese Planung entscheidend sind gänzlich unterschiedliche Parameter. Hierzu gehören die berufliche Entwicklung, persönliche Ziele und Wünsche, sowie auch das soziale Umfeld. Es gibt statistische Erhebungen, welche die Zahl der Kinder mit der Entfernung des Wohnortes der Eltern zum Wohnort der Großeltern in Relation setzt. Je näher die Großeltern, desto eher wird ein Kinderwunsch auch verwirklicht, da die Großeltern in der Regel starke Unterstützung bieten.

Die Rolle staatlicher Förderungen (z.B. Kindergeld, Steuervorteile, Kindergarten etc.) sind unter Soziologen recht umstritten. Es wird vielfach die These vertreten, daß bei der Entscheidung für ein Kind rationale Erwägungen nur einer sehr untergeordnete Rolle spielen und diese im Grunde eine rein gefühlsmäßige ist. Neuere Untersuchen gehen auch dahin, daß die staatliche Förderung von Kindern zum Effekt des "Downbreeding" führt.

Grundlage jeder Familienplanung ist, dass die Partner darüber entscheiden, die Sexualität von der Fortpflanzung zu trennen. Weder Fortpflanzung noch Sexualität spielen sich in der modernen Gesellschaft ausschließlich innerhalb von Familien ab, weshalb der Terminus Familienplanung durch eine neutralere Bezeichnung ersetzt werden sollte.

Ein wichtiger Baustein zur Familienplanung sind die Methoden zur Empfängnisverhütung. Hier wäre eine gleichmäßigere Verteilung der Verantwortung für die Empfängnisverhütung auf beide Geschlechter wünschenswert. Aus medizinischen Gründen sind aber zumindest bei der sicheren hormonellen Empfängnisverhütung Präparate für den Mann problematischer (siehe Empfängnisverhütung).

Vor- und außerehelichen Sex verbietet unter anderem die katholische Kirche. Außerdem lehnt sie den Gebrauch von Verhütungsmitteln und den Schwangerschaftsabbruch ab. Damit ist in solchen Religionsgemeinschaften nur durch (zeitweise oder gänzliche) Enthaltsamkeit oder alternative Sexualpraktiken Familienplanung möglich (vgl. natürliche Empfängnisregelung, spezieller die veraltete und unsichere Knaus-Ogino-Verhütungsmethode oder die an Zuverlässigkeit mit der Pille vergleichbare Symptothermale Methode).

Auch die Erfüllung von Kinderwünschen ist ein Teil der Familienplanung, da immer mehr Paare ungewollt kinderlos sind. Hier sind als unterstützende Maßnahmen die bei der Empfängnisverhütung beschriebenen Methoden zur Bestimmung der fruchtbaren Tage der Frau von Bedeutung, sowie die in den letzten Jahrzehnten entwickelten Methoden zur Fruchtbarkeitsstimulation (für Mann und Frau) und die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung. (Siehe auch Unfruchtbarkeit)

Anmerkung: Vor allem die seit den 1960er Jahren entwickelten hormonellen Empfängnisverhütungsmethoden (namentlich die Antibabypille) ermöglichten die größere Freiheit der Wahl für Frauen in der westlichen Welt, über ihre Fortpflanzung selber zu entscheiden. Die darauf folgende größere sexuelle Freizügigkeit kam Anfang der 1980er Jahre durch den Ausbruch der weltweiten AIDS-Epidemie zu einem Rückschlag und die Benutzung eines älteren Verhütungsmittels, des Kondoms, wird seither wieder vor allem für wechselnde Partnerschaften propagiert, da das Kondom einen gewissen Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten bietet.

Die Familienplanung hat zweifellos zur Verbesserung der Lebenssituation vieler Frauen geführt, und vor allem in Entwicklungsländern mit hohen Geburtenraten und den daraus resultierenden Problemen ist die Familienplanung ein wichtiger Faktor, um die Bevölkerungszahl zu stabilisieren.

In den Industrienationen hat die Einführung der Pille und die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen dazu geführt, daß die Bevölkerung insgesamt schrumpft, da weniger Kinder geboren werden als Menschen sterben (Stichwort Bevölkerungsentwicklung). Das ergibt wieder neue Probleme, da die hiesige Infrastruktur auf Wachstum, nicht aber auf Schrumpfung ausgelegt ist. Zudem werden immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner aufkommen müssen. Zudem haben die die gesellschaftlichen Veränderungen teilweise zu einer kinderfeindlichen Haltung geführt, so daß es vor allem in den 70er Jahren als 'asozial' angesehen wurde, wenn man mehr als zwei Kinder hatte. Diese Haltung hat sich zwar wieder geändert, grundsätzlich hat die Möglichkeit der Familienplanung aber dazu geführt, daß Kinder heutzutage im allgemeinen später und nur in geringer Zahl geboren werden.

Siehe auch: Kinderrente

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